Eugenie Goldstern (1883 - 1942)

Das Gesamtwerk der russisch-österreichischen Forscherin alpiner Kulturen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Eugenie Goldstern, wird auf Herbst 2007 in französischer Sprache erscheinen. Ein Teil der Übersetzungsarbeiten wurde im Arnold-Niederer-Haus geleistet, das eine dem Werk angemessene und die Übersetzung inspierierende Atmosphäre bot.

Eugenie Goldstern (1884 -1942)

ist eine der ersten Volkskundlerinnen, die sich ernsthaft und fruchtbringend mit der alpinen Lebensumwelt  ihrer Zeit auseinandergesetzt hat. Ihr von tragischen Ereignissen überschattetes Leben, bis hin zu ihrer Deportation als Wiener Jüdin und ihrer Ermordung im KZ, hat ein erstaunlich reichhaltiges Gesamtwerk hinterlassen, das bis heute auf deutsch nur über relativ entlegene Zeitschriften-Artikel zugänglich ist. Ihre Dissertation, bei Arnold van Gennep begonnen und bei Paul Girardin an der Universität Freiburg im Üchtland abgeschlossen, ist eine pionierhafte Gemeindemonographie (Bessans in Hochsavoyen, 1913/14, 1922 publiziert), der noch weitere alpine Studien nach demselben bewährten Muster folgen sollten (über das Aostatal, das bündnerische Münstertal und das österreichische Lammertal). Gekrönt wurden ihre Forschungen durch eine wegweisende Arbeit über die „Spielzeugtiere in den Alpen“, von denen sie selbst viele gesammelt und sie u.a dem Alpinen Museum in Bern geschenkt hat, wo sie heute, in einer neu aufbereiteten Ausstellung zu sehen sind.

Arnold Niederer hat immer wieder vor allem auf „Bessans“ hingewiesen und mit seinen Studenten im Sommer 1967 vor Ort eine vergleichende Bestandesaufnahme vorgenommen. Für November dieses Jahres plant das Musée dauphinois in Grenoble die Herausgabe des auf französisch übersetzten Gesamtwerkes, ebenfalls eine Pioniertat, die hoffentlich im deutschen Sprachraum ihre Entsprechung finden wird. Als kompetente Übersetzerin zeichnet Mireille Gansel aus Paris, unterstützt in Bezug aus die Fachterminologie durch Jean-Pierre Anderegg aus Freiburg. Frau Gansel hat ihre umfangreiche Arbeit dank dem Entgegenkommen der Arnold-Niederer-Stiftung in Ferden abschliessen können, was gewiss auch den Absichten des Zürcher Volkskundlers entsprochen hätte.


20. Oktober 2007,                 Jean-Pierre Anderegg, Freiburg im Üchtland